16.02.2017 / Solar, Energie-Allee

Von Surfern und Solarenergie

Es ist das Hawaii Japans: Mit seinen heißen Quellen, Stränden und jeder Menge Surfern ist die Präfektur Kagoshima eines der Top-Urlaubsgebiete für in- und ausländische Touristen.

Hier hat das Joint Venture juwi Shizen Energy Inc. jetzt einen 20-Megawatt-Solarpark in Betrieb genommen.

Etwa 1.000 Kilometer von Tokio entfernt, an der Südspitze der japanischen Inseln, liegt ein wahres Paradies. Inmitten dieser Urlaubsregion befindet sich der Solarpark Kagoshima-Kirishima auf dem ehemaligen Gelände eines Golfplatzes. Stillgelegte Golfplätze sind in Japan keine Seltenheit, erzählt Projektmanager Takayuki Kasama, der den Bau der Photovoltaik-
Anlage mitverantwortet hat:

„Vor etwa 30 Jahren war Golf ein sehr beliebter Sport in Japan. Seitdem ist die Bevölkerung allerdings geschrumpft und mit ihr die Zahl derer, die sich für die Ballsportart interessieren. Das Resultat: riesige, stillgelegte Areale, ideal für die Produktion von sauberem Sonnenstrom.“

Projektmanager Takayuki Kasama

Genau dies fanden Kasama und seine Kollegen von juwi Shizen Energy im Herbst 2012 in der Nähe der Stadt Kirishima vor. Doch die Planer der Freiflächen-Photovoltaik-Anlage wurden immer wieder vor Herausforderungen gestellt. „Unser größtes Problem war die Planung des Umspannwerkes und der Leitung dorthin. Von der Anlage bis zum Einspeisepunkt mussten wir etwa 13 Kilometer Kabel verlegen, durch öffentlichen und privaten Grund. Die Verhandlungen mit den Privatpersonen, aber auch mit der öffentlichen Hand dauerten an. Am Ende haben wir mit allen eine gute Einigung gefunden“, erzählt der Projektmanager.

Das Durchhaltevermögen hat sich ausgezahlt:

Im August 2015 konnten die Bauarbeiten für den Solarpark beginnen. Genau 76.980 polykristalline Module wurden verbaut. „Damit kann die Anlage rund 21.000 Megawattstunden Sonnenenergie im Jahr produzieren. Das reicht, um 5.800 japanische Haushalte mit Strom zu versorgen“, erzählt Kasama. In Kürze wird der Park an ein großes japanisches Unternehmen übergeben, an das auch ein Energieversorger angegliedert ist. „Dieses Projekt zeigt, dass Erneuerbare in Japan angekommen sind, bei der Bevölkerung, aber auch bei den großen Unternehmen.“ Diese Zuversicht hatte der 37-Jährige nicht immer: Nach seinem Studium der erneuerbaren Energien gab es weit und breit keinen Job in diesem Bereich zu finden. Stattdessen startete er seine Karriere in einem Marketingunternehmen. Zehn Jahre lang arbeitete Kasama in einem komplett anderen Gebiet, was sich dennoch als zukunftsweisend herausstellen sollte. Denn einer seiner Kollegen und Freunde dort war Ken Isono, einer der späteren Gründer von Shizen Energy, einem Projektentwickler für Solar-, Wind- und Wasserkraft-Anlagen.

 

 

2012, ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima, wechselte Kasama zu der neu gegründeten Firma seines Freundes. Isono und seine Mitgründer Kenji Kawado und Masaya Hasegawa machten es sich zum Ziel, Japan erneuerbar zu machen. „Die Anfangsmonate waren aufregend. Wir wollten unbedingt Solaranlagen bauen. Nur wie wir das genau anstellen sollten, wussten wir nicht“, erzählt Kasama mit einem Schmunzeln. „Da haben wir uns Know-how aus Deutschland geholt. Pedro Morales Iglesias von juwi kam extra nach Japan, um Starthilfe zu geben.“ So kam der erste Kontakt des japanischen Start-ups mit dem etablierten Projektentwickler zustande. Und auf das erste Treffen sollten noch viele weitere folgen: „2012 flogen wir zu viert nach Deutschland, um uns mit den juwi-Chefs zu treffen. So wurde die Idee für juwi Shizen Energy geboren, ein Joint Venture zwischen dem deutschen und dem japanischen Projektentwickler.“

Mittlerweile arbeiten etwa 50 Menschen für juwi Shizen Energy. „Die Anfangsjahre nach Fukushima waren geprägt von einem Förderprogramm der Regierung, das wahrscheinlich bald auslaufen wird. Der Markt wird sich ein Stück weit konsolidieren, aber Erneuerbare sind nicht mehr aus Japan wegzudenken“, sagt Kasama, der die derzeitigen Atomreaktor-Pläne der japanischen Regierung durchaus kritisch beobachtet.

„Wir sind mit unseren Solaranlagen mittlerweile so weit, dass wir mit den Kosten konventionell erzeugter Energie mithalten können. Die Zukunft ist erneuerbar!“

Projektmanager Takayuki Kasama

Kasama ist gerne in der Natur. An Stränden oder an heißen Quellen – der Projektmanager ist privat wie beruflich gerne nachhaltig unterwegs.


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