Wenn Aleksey von seiner Kuh spricht, dann meint er eigentlich die Biogasanlage in der Nähe von Kaiserslautern, mit dern juwi Bio Heizenergie für 1.500 Haushalte produziert.
Viel Aufwand, wenn man bedenkt, dass die zwölf Millionen Euro teure »Super-Kuh« weder Milch gibt, noch irgendwann als Steak in der Pfanne landen wird. »Meine Kuh produziert Gas«, schmunzelt Aleksey. Und das nicht zu knapp: 350 Kubikmeter reinstes Methan soll die Biogasanlage stündlich in das Netz von Ramstein-Miesenbach einspeisen. Damit deckt die künstliche Kuh – so werden Biogasanlagen genannt, weil sie den Verdauungsprozess eines Rindviehs nachahmen – den Wärmebedarf von 1.500 Haushalten.
Das freut auch juwi-Vorstand Matthias Willenbacher: »Der Bau der Biogasaufbereitungsanlage in Ramstein-Miesenbach ist ein weiterer und wichtiger Schritt in der dezentralen Energieversorgung von Kommunen, Unternehmen und Privathaushalten mit 100 Prozent sauberer, erneuerbarer und regional erzeugter Energie. Biogasanlagen bieten die Möglichkeit, rund um die Uhr eine sehr saubere Energieversorgung zu gewährleisten und sind somit eine ideale Ergänzung zu den
schwankenden Energiequellen Wind und Sonne.«
Feste Verträge mit 30 Landwirten
Das grüne Kraftwerk liefert pro Jahr mehr als 30 Millionen Kilowattstunden Energie aus nachwachsenden Rohstoff en. In der Biogasanlage wird ausschließlich regional erzeugtes Substrat verarbeitet.
34.000 Tonnen davon liefern Landwirte aus den umliegenden Ortschaften jährlich an. »Mit 30 Bauern bestehen dazu Verträge«, berichtet Aleksey. Das sei manchmal nicht einfach. »Biogasanlagen laufen mindestens 20 Jahre. Viele Landwirte wollen sich aber nicht
so lange an einen Abnehmer binden«, schildert der Projektmanager sein Problem. Grund dafür seien die schwankenden Getreidepreise. Aleksey: »Wenn der Getreidepreis in die Höhe schießt, möchten die Landwirte natürlich von dieser Entwicklung profitieren. Als Lieferant für Biogasanlagen ist man jedoch erst einmal gebunden. Dafür hat
man aber auch über Jahre ein sicheres, planbares Einkommen. Das ist heutzutage auch nicht zu unterschätzen.«
Außer den Substraten werden in den Fermentern auch rund 5.000 Tonnen Gülle in
saubere Energie umgewandelt. »Viele Landwirte können aus wirtschaftlichen Gründen
nicht in teure Gülletanks investieren«, sagt Andreas Neumann, Rohstoffl ieferant vom
landwirtschaftlichen Lohnunternehmen »Ernte Plus«. »Wir holen die Gülle deshalb direkt
vom Hof ab. Das reduziert die Ausgaben eines Betriebs um bis zu 100.000 Euro im Jahr.«
Aufbereitungsanlage für Erdgasqualität
Eine weitere Besonderheit der Ramsteiner Anlage: Das im »Magen« der »Super-Kuh«
erzeugte Biogas wird in einem weiteren Produktionsschritt mittels Druckwasserwäsche
in der Aufbereitungsanlage zu Biomethan in Erdgasqualität veredelt. Das eingesetzte
Verfahren entfernt das CO2 aus dem Biogas ohne Zugabe von Chemikalien und liefert als Endprodukt hochwertiges Gas in der für die Einspeisung ins Netz gesetzlich geforderten Qualität.
Ein großer Vorteil gegenüber herkömmlichen Biogasanlagen, wie Aleksey erklärt:
»Für den wirtschaftlichen Betrieb einer konventionellen Anlage mit angeschlossenem
Blockheizkraftwerk braucht man zwingend einen Abnehmer für die Wärme, zum Beispiel
ein Schwimmbad.« Über die Einspeisung wird dieses Problem gelöst, Biogasanlage und Blockheizkraftwerk räumlich entkoppelt. »Praktisch jeder Ort in Deutschland, der über einen Zugang zum Gasnetz verfügt, kann mit dem in Ramstein eingeleiteten Biogas beliefert werden«, freut sich Aleksey.
Aber auch Alekseys »Super-Kuh« ist nicht perfekt. Zwar arbeitet ihre »Verdauung«
bilanziell CO2-neutral, weil das bei der Gasveredlung freigesetzte Kohlendioxid zuvor von den Energiepflanzen aus der Umgebung herausgefi ltert worden war. Doch in der Praxis wird noch zu viel klimaschädliches CO2 in die Luft gepustet.
Das könnte sich bald ändern, hofft der juwi-Projektmanager. Die nächste Biogasanlage,
die der gebürtige Bulgare für juwi in Göllheim (Donnersbergkreis) plant, soll mit einer
neuartigen Gaswäsche-Technik ausgestattet werden. »Statt Druckwasser werden hier
Membrane eingesetzt«, hoff t Aleksey. Mit ihrer Hilfe kann das Kohlendioxid aufgefangen
und industriell weiterverwendet werden. Zum Beispiel in der Trockeneis-Produktion oder als Treibmittel für Feuerlöscher.
Damit würde die in der Bevölkerung ohnehin schon große Akzeptanz der Biogasanlagen
weiter gesteigert. Und Aleksey könnte seinen Kindern stolz erzählen: »Jetzt habe ich meiner Super-Kuh das Rülpsen abgewöhnt!«

