Energie aus dem Hunsrück

13.09.2012 (Windenergie)


Im Rhein-Hunsrück-Kreis hat juwi 2011 den größten Windpark im Südwesten Deutschlands ans Netz gebracht. Die 23 Turbinen im Wald nördlich des Städtchens Kirchberg erzeugen sauberen Strom, der den Jahresbedarf von 35.000 Haushalten deckt.

SWR-Beitrag: Kirchberg - Leistungsstärkster Windpark im Südwesten
Erste Fundamentarbeiten
Es fehlen nur noch 138 Meter...
Stark. Grün. Rund: Ein Enercon Turmsegment.

Der Anlagenhersteller, der Investor und die Kommunalpolitiker schwärmen geradezu
vom langfristigen Nutzen dieses Projektes.

 

Gut, dass es den Hunsrück gibt. Der Wind, der über seine Höhenlagen pfeift, macht im Mix mit Sonnen- und Bioenergie möglich, was Umweltpolitiker im In- und Ausland derzeit aufmerksam verfolgen: die Energiewende in Deutschland. Bis 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf 35 Prozent anwachsen, bis 2030 auf 50 Prozent. Den Löwenanteil wird die Windenergie bereitstellen. Die 125 Millionen Kilowattstunden, die der Windpark Kirchberg jährlich liefert, sind hierfür ein immens wertvoller Beitrag.


Jenseits aller klimapolitischen Ambitionen schafft die Produktion des sauberen Windstroms zwischen Mosel, Rhein und Nahe weitere bleibende Werte: Schon die Investition für den Windpark Kirchberg liegt im hohen zweistelligen Millionenbereich. Auch
langfristig kurbelt das Windkraftwerk die Wirtschaft an, schafft Arbeitsplätze, stärkt die kommunalen Haushalte und unterstützt die touristische Vermarktung des waldreichen Mittelgebirges.


Falko Büsing, Projektmanager bei juwi, bringt es auf den Punkt: "Der Windpark hat einen enormen Stellenwert für den Hunsrück." So profitieren die Bürger der Ortsgemeinden, auf deren Flächen die Anlagen des Windparks Kirchberg stehen, von Pacht- und Gewerbesteuereinnahmen. Ein Teil davon fließt über einen Solidarpakt an die Verbandsgemeinde (VG) Kirchberg: Sie setzt das Geld in den Bereichen Bildung, Schule und Feuerwehr ein – auch in Ortsgemeinden, deren Flächen für die Windenergie nicht geeignet sind. VG- Bürgermeister Harald Rosenbaum: "An die VG fließen jährlich rund 3.000 Euro pro Anlage. "Für den Windpark Kirchberg sind dies insgesamt also knapp 70.000 Euro pro Jahr. F rüher sind diese Gelder für Energieimporte ins Ausland abgeflossen."


Dauerhaftes Konjunkturprogramm für die Region

 

Landrat Bertram Fleck rückt den gesamten Rhein-Hunsrück-Kreis in den Fokus: Nach Berechnungen des Kreises und der Agentur für Erneuerbare Energien hat die dezentrale Energieerzeugung 2010 hier eine regionale Wertschöpfung in Höhe von 13 Millionen Euro bewirkt. Geld, das im wirtschaftlichen Kreislauf der Region verblieben ist: in Form von Einkommen, Unternehmensgewinnen, vermiedenen Brennstoffkosten sowie Steuern und Abgaben.  "Die erneuerbaren Energien sind ein Dauer-Konjunkturprogramm für unseren Kreis: beispielsweise für Gutachter, Installateure, Bauunternehmer, Landschaftspfleger
oder Gemeinden
", argumentiert Fleck. "Regionen, die nicht oder nur wenig in die erneuerbaren Energien investieren, stehen diese Gelder nicht zur Verfügung." Das Engagement zahlt sich aus: Weil auch die Solarenergie mit rund 2.200 Anlagen und einige Bioenergieanlagen ihr Scherflein zum Energiehaushalt beitragen, wird der Rhein-Hunsrück-Kreis schon 2012 seinen Strombedarf zu weit mehr als 100 Prozent regenerativ decken.


Auch die Nachbarregionen nutzen die natürlichen Energiereserven des Hunsrücks: 2011 hat juwi hier 7 Windparks mit 51 Anlagen und einer Gesamtleistung von 114 Megawatt (MW) errichtet. Zusammen mit den in den Vorjahren gebauten 50 Anlagen erhöht sich so die Windenergie-Leistung der von juwi im Hunsrück projektierten Anlagen auf rund 200
MW. Jährlich können sie etwa 500 Millionen Kilowattstunden (kWh)sauberen Strom erzeugen. Das entspricht dem Jahresbedarf von rund

 

150.000 Haushalten. "Damit ist die Region bereits heute Stromexporteur", betont juwi-Vorstand Matthias Willenbacher. Es gibt viele Profiteure. Auch die Energieversorgung Offenbach AG (EVO) gehört dazu. Über die 2009 gegründete Cerventus Energie AG ,
einem Joint Venture der EVO und der juwi renewable IPP GmbH & Co. KG , hat der hessische Energieversorger im Hunsrück kräftig investiert. EVO-Vorstand Michael Homann: "Wind ist unser wichtigstes Wachstumsfeld. "Der Windpark Kirchberg trägt erheblich dazu bei, dass die EVO ihren Anteil am regenerativ erzeugten Strom von bislang 15 auf mehr als 50 Prozent anheben kann. Wir sorgen damit unmittelbar auch für die Energiewende in der Region", erklärt Homann. Nach dem Bau zweier Anlagen bei Bad Arolsen in Nordhessen im Jahr 2010 und dem Projekt im Hunsrück verstetigt sich die Zusammenarbeit zwischen der EVO und juwi mit weiteren Projekten.

 

15 Jahre – ein großer Erfahrungsschatz


Das Engagement im Hunsrück erweitert auch den gemeinsamen Erfahrungsschatz
mit Anlagenherstellern, etwa der Enercon GmbH aus Aurich. Kirchberg ist eines von vielen Waldprojekten, die der rheinhessische Projektentwickler und der ostfriesische Turbinenbauer zusammen gestemmt haben. Gordon Hoch, Enercon-Vertriebsleiter
für Südwestdeutschland, sieht in diesem Windpark ein Leuchtturm-Projekt für sein Unternehmen. "23 Anlagen aufzustellen in einem halben Jahr: Das war schon sehr anspruchsvoll", sagt Hoch und lobt das Zusammenspiel der Beteiligten: "Die Projektierungsleistung von juwi und unser technisches Know-how: Damit bilden wir ein echtes Dreamteam."

 

Die Turmteile hat Enercon in Emden produziert, Gondeln und Rotoren in Magdeburg und Aurich. Mit dem Schiff wurden die Komponenten nach Mainz transportiert und von dort per Schwertransport in den Hunsrück: pro Windrad 55 Fahrten. Eine logistische Meisterleistung, die möglich wurde, weil juwi und Enercon seit langem in großen Zeiträumen denken: 15 Jahre währt die gemeinsame Zusammenarbeit. Im Hunsrück zahlt sich dieses Vertrauen aus, ebenso wie die guten Konditionen, die beide Partner im Februar 2011 in einem Rahmenvertrag vereinbart hatten. Hoch: "Der Vertrag war erst der Grundstein, und am Beispiel Kirchberg sehen wir: juwi und Enercon haben ihn mit Leben gefüllt."

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