25.09.2020 / Blog, Betriebsführung / Thomas Hoch

Enge Verbindung zwischen Projektentwicklung und Betriebsführung

Zum 1. Oktober übergibt Christian Arnold den Staffelstab an Jörg Blumenberg und wechselt in die Leitung des deutschen Projektentwicklungsgeschäfts von juwi. Zum Übergang sprachen wir mit dem alten und dem neuen Geschäftsführer der juwi O&M.

Seit mehr als einem halben Jahr arbeiten wir unter Corona-Bedingungen. Da kann man schon mal fragen: Wie läuft es? 
Christian Arnold: Wir haben damit eigentlich sehr gute Erfahrungen gemacht. Als sich die Corona-Situation zugespitzt hat, haben wir den Großteil unserer Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Der Übergang war ziemlich reibungslos. Zum einen hatten wir schon vorher eine sehr gute IT-Infrastruktur für mobiles Arbeiten, zum anderen war es für uns als Dienstleistungsunternehmen für die meisten Tätigkeiten auch problemlos möglich, aus dem Homeoffice zu arbeiten. Und dort, wo Präsenz erforderlich war wie bei den Servicetechnikern, haben wir sehr schnell die notwendigen Voraussetzungen für ein sicheres Arbeiten auch unter Corona-Bedingungen geschaffen. 

Wie habt Ihr persönlich das letzte halbe Jahr erlebt?
Christian: Persönlich fand ich es durchaus eine schwierige Zeit. Ich war fast jeden Tag im Büro, schon weil ich als Geschäftsführer nun mal viele Unterschriften leisten muss. Wir haben uns im juwi-Krisenstab sehr schnell auch mit der Frage beschäftigt, unter welchen Voraussetzungen das Arbeiten in den Büros möglich ist und hier Vorgaben für ein sicheres Arbeiten entwickelt. Für mich war es dann auch ein wichtiges Signal an die Mannschaft, dass ich in dieser Zeit nicht nur telefonisch, sondern auch jederzeit persönlich im Büro zu erreichen bin.
Was mir auch aufgefallen ist: Gerade in der Anfangsphase war es auf Kundenseite extrem ruhig. Man hat gemerkt, dass weniger Themen aufkamen. In den letzten beiden Monaten hat sich das allerdings wieder geändert.

Jörg Blumenberg: Für mich persönlich war es trotz Corona eine schöne Zeit. Ich befand mich zwischen zwei Jobs und meine Frau war in Elternzeit, weil wir im vergangenen Jahr das zweite Kind bekommen haben. Insofern waren die zurückliegenden Monate vor allem eine sehr intensive Familienzeit. Das hatte ich in den letzten Jahren im Berufsleben nie so gehabt.

Musste die juwi Operations & Maintenance besondere Vorkehrungen wegen der Corona-Pandemie treffen? 
Christian: Ganz generell haben wir überall dort, wo Arbeitsplätze und Fahrzeuge von verschiedenen Personen genutzt werden, Desinfektionsmittel bereitgestellt und die Mitarbeiter für die Nutzung sensibilisiert. In einigen Bereichen waren darüber hinaus noch weiter Maßnahmen notwendig. Für die Leitwarte als Herzstück unserer Betriebsführung haben wir eine redundante Besetzung im Homeoffice und vor Ort gehabt, um jede Ansteckungsgefahr zu vermeiden und die Anlagenüberwachung zu 100 Prozent sicher zu stellen. 
Unsere Servicetechniker haben die Service-Fahrzeuge mit nach Hause genommen und ihre Einsätze dann direkt von dort aus gestartet. Im Fahrzeug selbst mussten sie Mund-Nasen-Bedeckungen tragen und möglichst weit auseinander sitzen. Wir haben die Techniker zudem mit den notwendigen Bescheinigungen ausgestattet, die uns als Betreiber kritischer Infrastruktur auch in der sehr strengen Lockdown-Phase berechtigt haben, zu den Anlagen zu fahren und dort die notwendigen Arbeiten durchzuführen. Sie wurden dann tatsächlich auch kontrolliert, die auf eine Tätigkeit im Bereich der kritischen Infrastruktur verweisen, war der Durchlass kein Problem

Wir haben die Situation als Chance gesehen und viel gemacht.

Wie hat aus Deiner Sicht der Austausch mit den Kunden funktioniert?
Christian: Grundsätzlich hat sich im alltäglichen Kontakt mit den Kunden gar nicht so viel verändert. Die Kommunikation findet ja auch in normalen Zeiten vor allem über E-Mail und Telefon statt. Was uns viel stärker getroffen hat, war die Absage von Messen und Veranstaltungen. Wir mussten selbst sehr kurzfristig unsere eigene Kundenveranstaltung, das O&M-Praxisforum, absagen. Das haben wir sehr bedauert. Auch die Absage von Messen wie der Intersolar hat uns getroffen. Das sind in normalen Zeiten gute Gelegenheiten, uns persönlich mit den Kunden zu treffen und uns intensiver mit ihnen auszutauschen. 
Da wir darauf nicht komplett verzichten wollten, haben wir mit unserer Unternehmenskommunikation nach Alternativen gesucht und dann auch eine Reihe von neuen Formaten entwickelt und umgesetzt. Wir haben beispielsweise eine virtuelle Weinprobe ergänzt um Fachvorträge veranstaltet, die bei den Teilnehmern sehr gut ankam. Wir haben Webinare sowohl als Veranstalter als auch über den BWE angeboten. Auf dem PV-Symposium   waren wir mit einem virtuellen Messestand vertreten. Man kann also durchaus sagen, wir haben die Situation als Chance gesehen und viel gemacht. Das hat uns auch im Unternehmen mit Blick auf die Nutzung digitaler Medien vorangebracht.

Welche Erkenntnisse nehmt Ihr aus den letzten Monaten für die Zukunft mit?
Jörg: Einen wichtigen Punkt hat Christian gerade schon angesprochen. Neues Denken, neue Formate: Wie können wir trotz Einschränkungen mit unseren Kunden in einem guten Austausch sein? Das ist ein Aspekt, an dem wir sicher auch in Zukunft weiterarbeiten werden. Zum einen weil ich glaube, dass einige Maßnahmen beispielsweise im Hygienebereich sicherlich bleiben werden, zum anderen aber auch, weil über manche Formate der Austausch mit Kunden schneller und einfacher sein kann. Diese Mentalität Neues zu denken und Altes zu hinterfragen, weil es derzeit einfach nicht mehr geht, die sollten wir mitnehmen.

Christian: Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Beziehung vielfältiger werden. Es gibt auf der einen Seite die Kunden, für die ein Webex-Meeting ganz normal ist und es gibt Kunden – vielleicht auch eher aus meiner Generation – die eben doch lieber den Vor-Ort-Termin möchten. Hier müssen wir alle weiter dazulernen.

Jörg, Du hast in dieser besonderen Phase als Geschäftsführer neu angefangen. Wie war der Start in Corona-Zeiten?
Jörg: Mein Start war gut, das kann ich gar nicht anders sagen. Auch wenn man sich derzeit ja nicht die Hände schüttelt, bin ich herzlich empfangen worden. Direkt in meiner zweiten Woche bei juwi hatten wir für den Betriebsführungsbereich ein Grillevent – natürlich unter den entsprechenden Corona-Regeln. Für mich war das eine gute Gelegenheit, viele der Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen. Generell herrscht eine sehr offene Atmosphäre bei juwi, so dass das Ankommen sehr schnell und leicht geht. Was den eigentlichen Geschäftsbetrieb angeht, gibt es natürlich noch viel zu entdecken. Ich habe aber schon viele Eindrücke gesammelt, viele Kolleginnen und Kollegen kenngelernt und auch schon ein paar Ideen entwickelt, die wir sicher über kurz oder lang angehen werden.

Du kommst aus der Branche, hast zuletzt die globale Realisierung Wind Onshore bei Siemens Gamesa geleitet.  Welche konkreten Anknüpfungspunkte hast Du denn aus Deiner bisherigen Laufbahn an den neuen Job?
Jörg: Grundsätzlich konnte ich aus meinen verschiedenen Führungsaufgaben bei Siemens Gamesa immer etwas mitnehmen, was mir jetzt auch bei juwi nützen wird. Ich habe sehr viel mit neuen Märkten gearbeitet, mich viel mit Strategien und Prozessen beschäftigt. Das sind sicher auch Anknüpfungspunkte für meine neue Aufgabe, bei denen wir uns noch weiterentwickeln können. Mir ist es bislang immer relativ schnell gelungen, mich in neue Aufgaben einzufinden – und ich sehe keinen Grund, warum das bei der juwi Operations & Maintenance anders sein soll.

Ich finde, dass gegenseitiges Vertrauen in einem Geschäftsverhältnis besonders wichtig ist.

Was reizt Dich an der neuen Aufgabe?
Jörg: Nach 13 Jahren bei Siemens wollte ich etwas Neues machen. Ich wollte gerne in einem eher mittelständischen Unternehmen arbeiten und gleichzeitig am liebsten in der Branche bleiben – und eigentlich wollte ich mit meiner Familie auch nicht aus Hamburg weggehen. Dann habe ich von der Möglichkeit bei juwi gehört, habe mich mit den Verantwortlichen bei juwi unterhalten. Die Aufgabe, die juwi O&M nachhaltig finanziell erfolgreich weiterzuentwickeln war und ist für mich einfach sehr reizvoll. Deshalb ist es jetzt doch Rheinhessen geworden.
Ich finde, dass Christian Arnold und das Team in den letzten Jahren einen guten Job gemacht haben, so dass wir eine gute Basis haben, an die wir anknüpfen können. Ich will unabhängig von den Projekten, die juwi selbst entwickelt und baut, mit der juwi O&M auch extern weiter wachsen. Die richtigen Produkte und Dienstleistungen haben wir dafür.

Gibt es Aspekte in der Zusammenarbeit mit den Betreibern, die Dir besonders wichtig sind?
Jörg: Ich finde, dass gegenseitiges Vertrauen in einem Geschäftsverhältnis besonders wichtig ist. Dieses Vertrauen müssen wir über unsere Kundenbetreuer, über unseren Vertrieb, unsere Fachabteilungen aufbauen und pflegen. Hier möchte ich mit der juwi O&M aus Sicht der Kunden wirklich zu den Top-Anbietern gehören. Vertrauen, Ehrlichkeit, gute Arbeit – das sind für mich die Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit.

Christian, Du wechselt nun in die Leitung des deutschen Projektentwicklungsgesellschaft von juwi. Welche Ideen nimmst Du aus dem O&M-Bereich in die neue Aufgabe mit?
Christian: Dadurch, dass wir ja fast alle Projekte aus der juwi-Projektentwicklung in die Betriebsführung übernommen haben, habe ich bestimmt schon einen recht guten Blick auf das Projektentwicklungsgeschäft von juwi – gerade aus der Kundenperspektive. Und aus diesem Blickwinkel werde ich natürlich versuchen, dass wir unsere Projekte so gut wie möglich umsetzen und damit sowohl aus Sicht von juwi als auch aus Sicht der Kunden die Ergebnisse optimieren. Für mich geht es darum, Reklamationen zu vermeiden und eine möglichst große Zufriedenheit der Kunden mit ihren Anlagen zu erreichen – deshalb steht für mich die Qualität der realisierten Projekte im Wind- und Solarbereich ganz oben auf der Agenda. 
Persönlich kann ich sagen: Projektmanagement, Engineering und O&M sind für mich Themen, bei denen ich mich auskenne, das Thema Projektentwicklung kommt für mich neu dazu. Das ist aber auch das spannende für mich: Ich bin jemand, der gerne dazulernt.

Jörg: Ich möchte das nochmal bekräftigen: Diese enge Verbindung zwischen Projektentwicklung und Betriebsführung ist für uns ein wesentlicher Erfolgsfaktor, den Christian und ich pflegen möchten. Nur so erreichen wir das Beste für die Kunden und für juwi. 


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