14.05.2021 / Energie-Allee, Menschen / Thomas Hoch

Für immer Abenteurer

Der langjährige juwi-Mitarbeiter Zirk Botha ist ein Mensch, der ohne Abenteuer nicht leben kann. Gerade hat er im Ruderboot den Südatlantik überquert.

„Der Moment, als ich in die kleine Bucht Buzios nördlich von Rio de Janeiro kam und mir Hunderte Menschen auf Booten, Jetskis und am Strand zujubelten, war unbeschreiblich“, erzählt Zirk Botha. Mehr als zwei Monate auf dem Meer lagen zu diesem Zeitpunkt hinter ihm. Zwei Monate höchster körperlicher Anstrengung.  Zwei Monate nichts als Wasser, Wind und Wellen. Zwei Monate Einsamkeit. Und dann jubeln dem 59-jährigen Südafrikaner auf einmal Hunderte Menschen zu, die er zuvor noch nie gesehen hat. Sie rufen seinen Namen: Zirk!
Man   kann   sich   ungefähr   vorstellen, welch ein Gänsehautmoment das gewesen sein muss: „Es war sehr emotional für mich, ich habe geweint“, erzählt Zirk. Noch wenige Tage vor seiner Landung in Brasilien hatte er fast ein wenig Angst vor der Ankunft. „Als ich meinem Ziel näher kam und erfuhr, dass wegen der Corona-Pandemie keiner aus meinem Team, weder Familie noch Freunde vor Ort sein können, da habe ich mich schon gefragt, ob ich in Rio ankomme, ohne dass es jemand bemerkt.“

Rekorde und Botschaften

Die Befürchtung war unbegründet: In Brasilien hatte die Öffentlichkeit längst von dem südafrikanischen Abenteurer erfahren, der sich als Erster alleine und ohne Sicherheitsboot dieser immensen Herausforderung gestellt hat: 4.000 Seemeilen – umgerechnet rund 7.200  Kilometer  –  von Kapstadt durch den Südatlantik bis nach Rio de Janeiro in einem Ruderboot. Dass er dabei mit einer Zeit von 70 Tagen nicht nur seinen eigenen Zeitplan, sondern auch alle bisherigen Südatlantiküberquerungen deutlich unterbot, ist fast nebensächlich.
Viel wichtiger ist Zirk eine Botschaft: „Ich wollte mir und meinen Kindern beweisen, dass man jedes Ziel, das man sich steckt, auch erreichen kann.“ Anfang Dezember sah es noch gar nicht danach aus. Monatelang hatte Zirk Botha an seinem Hochseeruderboot gearbeitet. Er hatte hart trainiert und sich, so gut es nur geht, auf die Atlantiküberquerung vorbereitet. Und dann wurde er nach seinem ersten Startversuch am 5. Dezember und nur einer Nacht auf dem Meer von Wellen und Wind geradewegs wieder zurück nach Kapstadt gespült. Das ist ein Moment, in dem man unweigerlich ins Grübeln kommt.
Zirk hat den Rückschlag weggesteckt. Das Warten auf bessere Wetterbedingungen hat er genutzt, um noch einmal seine Ausrüstung zu ergänzen. Am 19. Dezember verabschiedet er sich dann zum zweiten Mal von seinen Kindern, seinen Freunden und seinem Team in Kapstadt – und dieses Mal ist es ein Abschied für längere Zeit.
 

Burger zur Begrüßung

70 Tage bleibt er auf dem Wasser. Als er am 27. Februar mit wackeligen Beinen brasilianischen Boden betritt, ist es mitten in der Nacht. Trotzdem sind viele Einheimische da, um ihn zu feiern. Einer der ersten Menschen, der ihn an Land begrüßt, ist ein Fotograf, der ihm einen frischen Burger in die Hand drückt. Wie Tausende anderer hatte er Zirks Abenteuer auf dessen Facebook-Seite verfolgt und dort gelesen, worauf sich der Atlantiküberquerer am meisten freut: Nach zehn Wochen gefriergetrockneter Expeditionsnahrung wollte er einfach einmal wieder in frisches Essen beißen. „Mann, war der Burger gut!“, erzählt Zirk mit einem Lachen.

In den folgenden Tagen in Brasilien wird er immer wieder eingeladen. Unzählige Male muss er davon erzählen, wie es dort draußen war. Er berichtet von der rauen See, die fast nie zur Ruhe kommt. Mehrmals sind die Wellen vier bis fünf Meter hoch. Dann hilft es nur, sich in der Koje anzuschnallen, zu hoffen, dass das Boot nicht kentert, und darauf zu warten, dass es irgendwann wieder vorbeigeht.  In diesen Stunden spricht Zirk dann mit seinem Boot, redet ihm gut zu. Es hilft: Das Boot hält allen Wetterbedingungen stand.

Mitten im Meer

Ziemlich zu Beginn seiner Reise erwischt ihn ein Virusinfekt. Er muss sich schonen, aber er erholt sich schnell. Über eine Satellitenverbindung hält Zirk Kontakt zu seinen engsten Vertrauten, und so gelangen auch die Bilder von unterwegs in die Welt, die ihn im Wasser neben dem Boot zeigen. Einmal in der Woche muss er das Boot von außen reinigen und den Rumpf von Algen und anderen Ablagerungen befreien. „Beim ersten Mal war es eine Überwindung, in das 4.000 Meter tiefe Meer zu springen. Aber dann war es ein Vergnügen.“ Wenn er im Wasser ist, ist er immer mit einem Seil am Boot gesichert. Es ist seine Lebensversicherung.

Einmal auf seiner langen Tour durch den Atlantik wird er von einer Gruppe von Delfinen begleitet. Es ist ein besonderer Moment, eine der Situationen, von denen er sich mehr gewünscht hätte. Als sie wieder wegschwimmen, ruft er ihnen hinterher, sie sollen doch noch etwas bleiben. „Ich war erschrocken, wie wenig Meeresleben mir in der ganzen Zeit begegnet ist. Wir dürfen das Meer nicht leer fischen, die Natur nicht ausbeuten, wir müssen viel verantwortlicher mit ihr umgehen“, sagt er.

Wie viele Abenteurer hat er einen besonderen Bezug zur Natur. Wer an wilde Orte geht, der erlebt die Natur viel näher und unmittelbarer. Auch wenn Zirk Botha kein klassischer Umweltaktivist ist, ist es ihm wichtig, immer wieder auf das Thema Nachhaltigkeit hinzuweisen: „Wir müssen als Menschen wieder lernen, nachhaltig zu leben und unseren Planeten zu schützen.“ So oder so ähnlich sagt er es bei vielen der unzähligen Interviews, die er in Brasilien und später dann in Südafrika gibt.

Eine Woche nach seiner Ankunft an der brasilianischen Küste kehrt Zirk mit dem Flugzeug nach Kapstadt zurück. Am Flughafen kann er erstmals wieder seine drei Töchter in den Arm nehmen. Einige Tage später sieht er dann auch seine Kolleginnen und Kollegen aus dem juwi-Büro in Kapstadt wieder. In einer Videokonferenz berichtet er ihnen ausführlich von seinem Abenteuer.
 

Chancen für Schwarze

Viele von ihnen arbeiten schon lange mit Zirk zusammen.  Seit dem Jahr 2012 arbeitet er für juwi in Kapstadt. Anfänglich hat er vor allem Flächen für Solar- und Windparks akquiriert, aber schon bald hat er für sich und juwi ein damals noch neues, sehr wichtiges Betätigungsfeld erschlossen: den gesellschaftlichen Aspekt der Projekte. Um die Entwicklung insbesondere in den ländlichen Regionen zu stärken und die Chancen der schwarzen Bevölkerung im Land zu erhöhen, sind Wind- und Solarprojekte in Südafrika nämlich an besondere Bedingungen geknüpft. Bei den Ausschreibungen zählt nicht nur der günstigste Tarif, 30 Prozent des Ausschreibungserfolgs hängen von einer Art gesellschaftlichem Punktesystem ab. Damit wird bewertet, welchen Mehrwert ein Projekt in Form von Arbeitsplätzen für Schwarze, Geld für die Gemeinden, Infrastruktur und Förderung von südafrikanischen Firmen bringt.

Für jedes Projekt, mit dem juwi in die Ausschreibungen gegangen ist, hat Zirk Botha dieses Thema koordiniert. Es ist damit auch sein Verdienst, dass die südafrikanische juwi-Niederlassung in den vergangenen Jahren so erfolgreich war. Nun muss ein anderer in seine Fußstapfen treten: Ende März hat Zirk juwi als Mitarbeiter verlassen, um sich ganz dem Leben als Abenteurer zu widmen und seine Erfahrungen in Vorträgen und Coachings weiterzugeben. juwi bleibt er freilich auch weiterhin erhalten, wenn auch nur noch als Berater. Eines steht jedenfalls fest: Die Atlantiküberquerung war für Zirk Botha auch eine Rückkehr in ein Leben, das ihm irgendwie in die Wiege gelegt ist – das Leben als Abenteurer.

AFRIKANISCHE WILDNIS ALS SPIELPLATZ

Wenn man Zirk Botha nach den Ursprüngen seines Abenteuergeistes fragt, dann kommt er schnell auf seine Kindheit zu sprechen. Er ist auf einer Farm inmitten des südafrikanischen Buschlands aufgewachsen. Schon als kleiner Junge streifte er durch die Wildnis, und es gab damals nur eine Regel: Wenn es dunkel wird, musst du zu Hause sein. In der Dunkelheit ist die afrikanische Wildnis besonders gefährlich. Ungefährlich ist sie allerdings auch bei Tageslicht keineswegs.

Diese frühen Entdeckungstouren haben das Leben des Farmersohns geprägt. Als junger Mann ging er zur Marine, überquerte so mehrmals den Atlantik und wurde schließlich Kampftaucher. Mit 36 kehrte er dann dem Militärdienst den Rücken und baute sich eine neue Existenz als Veranstalter von Extremtouren auf – mehrere Hundert Kilometer über Berge, durch Flüsse, durch die Wildnis, Dinge dieser Art. Viele dieser Wettbewerbe hat er selbst mitgemacht, bis ihn im Jahr 2002 ein schwerer Unfall fast das Leben gekostet hätte.
Es dauerte sechs Jahre, bis er sich zurückgekämpft hatte und er wieder arbeiten konnte. Diese Erfahrung hat ihn geprägt „Ich musste wieder lernen, mir Ziele zu setzen, und mir selbst beweisen, dass ich sie erreichen kann“, sagt Zirk. In Form von immer neuen Abenteuern hat er sich dann selbst gezeigt, was für ihn möglich ist. Mehrere Wochen wanderte er durchs Himalaja-Gebirge. Mit dem Motorrad fuhr er durch die afrikanische Wildnis bis an die Grenze von Namibia. Auf dem SUP-Board und mit dem Zelt erkundete er das Okavango-Delta in Botswana und dessen wildes Tierleben. „Das sind meine Glücksmomente“, sagt Zirk Botha, wenn man ihn fragt, was diese Abenteuer für ihn bedeuten.


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