30.11.2021 / Energie-Allee, Menschen / Felix Wächter

Überzeugungstäterin in Sachen Windenergie

Eine Prägung, ein Schlüsselerlebnis und eine Vision brachten die studierte Kommunikations- und Kulturmanagerin zur Windenergie. Seitdem ist Julia Wolf Überzeugungstäterin und die Windenergie ihr ständiger Begleiter.

Ob als Projektmanagerin bei juwi, als Vorsitzende des Landesverbands Windenergie in Baden-Württemberg oder als Podcasterin im WINDKANAL – ganz ohne Windräder geht es bei ihr nicht.

Es ist das erste Wochenende im März 2021. Der Frühling wagt sich langsam aus der Deckung. Sonnenschein und milde Temperaturen ziehen die pandemiemüden Deutschen nach draußen. Normalerweise hätte Julia Wolf bei diesen Bedingungen auch den Weg in die Natur gefunden. Berge, Wald und weite Flur sind sonst ihr Terrain. Doch statt beim Klettern, Wandern oder Mountainbiking betritt die Windenergie-Expertin Neuland in den eigenen vier Wänden. Dazu hat sie ihr Arbeitszimmer in ein kleines Tonstudio verwandelt, den WINDKANAL. Die Idee zum eigenen Podcast kam ihr einige Zeit zuvor im Auto auf der Rückfahrt von einer Bürgerinformationsveranstaltung. Davon hat Julia im Laufe ihrer Karriere als Windpark- Planerin schon unzählige wahrgenommen, hat über die Notwendigkeit und die Vorteile der Windenergie aufgeklärt, Anwohnerinnen und Anwohnern Ängste genommen, Überzeugungsarbeit geleistet. Manchmal bis tief in die Nacht hinein. „Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass die Diskussion zur Windenergie heute größtenteils immer noch mit den gleichen unsachlichen Argumenten geführt wird wie vor zehn Jahren“, sagt Julia. „Und das hat mich einfach geärgert. Schließlich haben sich Branche, Technik und natürlich auch das gesellschaftliche Umfeld in mehr als 20 Jahren Energiewende enorm weiterentwickelt.“ 

Und dennoch beantwortete sie auch an diesem Abend wieder routiniert Fragen zum Diskoeffekt, zu Schattenwurf und Infraschall, zum Planungsrecht und zur Anlagentechnik. „Da kam mir die Idee, die Basics der Windenergie sachlich und leicht zugänglich zu präsentieren, um so die Diskussion um Fakten zu bereichern. Und da ich auf längeren Fahrten selbst gerne Podcasts höre, war die Idee des eigenen Podcasts schnell geboren.“ 

Gesagt, getan. In den folgenden Monaten machte sie sich schlau in Sachen Audio- und Schnitttechnik, Onlinemedien und Medienrecht und konzipierte ihre erste von mittlerweile 17 Sendungen. Darin macht sie keinen Hehl aus ihrer Leidenschaft für die Energiewende und für Windräder. „Für mich sind Windräder eine Art Sinnbild. Ich sehe, wie sich die Mühlen majestätisch drehen, und freue mich an dem, für was sie stehen: für eine friedliche und saubere Stromerzeugung.“ 

Ein Windpark als Zukunftsvision

Diese Begeisterung für den Wind und seine Energie geht zurück bis in ihre Kindheit. Damals, als sie als kleines Mädchen in der Nähe des Elternhauses im Bodenseeraum erstmals einen Windpark zu Gesicht bekam, war sie sofort fasziniert. „Ich mochte den Anblick der sich friedlich drehenden Rotoren“, erinnert sich die Oberschwäbin an diesen Moment. Zur frühkindlichen Begeisterung für die Windenergie gesellte sich die Prägung durch das Elternhaus. „Ich komme aus einer Familie, in der Verantwortung für Umwelt, Natur und Tiere sowie ein rücksichtsvoller Lebensstil selbstverständlich sind“, sagt Julia. 

Zu dieser Grundhaltung gesellte sich ein Schlüsselerlebnis, das sie mit vielen Menschen ihrer Generation teilt und das ihre Grundüberzeugung weiter verstärken sollte: der 26. April 1986, der Super-GAU von Tschernobyl. „Plötzlich mussten wir unsere Milch vom Bauern holen, der noch Heu aus dem Vorjahr verfüttern konnte“, erinnert sich Julia an die unmittelbaren Auswirkungen einer Katastrophe, die mehr als 2.000 Kilometer entfernt stattfand. Die Bilder der havarierten Exxon Valdez, die im empfindlichen Ökosystem Südalaskas mehr als 40 Millionen Liter Rohöl verlor, prägte ihre Haltung weiter: Die Zukunft der Energieversorgung sollte nicht auf Atomenergie oder auf fossilen Brennstoffen beruhen. Schließlich wiesen doch die Windmühlen nahe ihres Elternhauses den Weg aus der atomar-fossilen Gegenwart in eine saubere, gefahrenfreie und friedliche Zukunft. 
Dieses Bild hat sich bei Julia Wolf festgesetzt. So sehr, dass sie fast ihre gesamte Zeit in den Dienst der Windkraft stellt. Ob als Projektleiterin bei juwi, als Vorsitzende des Landesverbands Windenergie in ihrer baden-württembergischen Heimat oder nun als überzeugende Podcasterin, die in diesem Medium Pionierarbeit für die Windenergie leistet. 

„Verteufeltes“ Baden-Württemberg

Sich in neues Terrain begeben und weiße Flecken erschließen konnte Julia auch gleich zu Beginn ihrer Karriere bei juwi. Damals war es ein weißer Fleck auf der Windenergie-Karte: Baden-Württemberg. 2012 baute Julia als Projektmanagerin das Team in Stuttgart mit auf. Wenige Monate zuvor überarbeitete die damals neu gewählte grün-rote Landesregierung unter Winfried Kretschmann das Landesplanungsgesetz, das noch aus der Zeit des bis 2005 regierenden Erwin Teufel (CDU) stammte, der als ausgesprochener Windkraft-Gegner galt. Zwar gab es nach dem alten Gesetz explizit ausgewiesene Vorranggebiete: Auf rund einem Prozent der Landesfläche genoss der Bau von Windrädern Priorität, im restlichen Bundesland war er aber bis auf wenige Ausnahmen verboten. Das sollte sich nun ändern. „Anders als früher ist der Bau von Windrädern künftig grundsätzlich erlaubt und nicht mehr grundsätzlich verboten“, erläuterte Ministerpräsident Winfried Kretschmann die 180-Grad- Wende. Diese Aussage wurde auch bei juwi wahrgenommen und diente als Startschuss für die Intensivierung der eigenen Planungen im Ländle. 
„Die Teufel-Jahre haben in der Einstellung der Menschen zur Windenergie natürlich Spuren hinterlassen, die sich nicht über Nacht ändern, nur weil sich die Gesetzeslage oder die Farbe der Landesregierung ändert“, erinnert sich Wolf. „Manches wirkt bis heute nach. Und dennoch spürten alle im Team die Aufbruchstimmung jener Tage.“ Den ersten juwi-Fleck auf der Landkarte hinterließen Julia und das „Team BaWü“ im Main-Tauber-Kreis bei Weikersheim-Nassau. Zwei Enercon E-92 errichteten sie nach nur drei Jahren Entwicklungszeit. Anfang 2015 gingen sie ans Netz. „Das waren noch Zeiten“, erinnert sich Julia mit einem Lächeln im Gesicht. Von solchen Entwicklungszeiten können Projektentwickler aktuell nur träumen. Längst sind fünf bis sieben Jahre zum Standard geworden. Zu groß sind die Restriktionen, die den dringend benötigten Windenergie-Ausbau im Süden und Südwesten Deutschlands behindern. Julia erklärt: 

Es mangelt an Flächen, an schnellen Entscheidungsstrukturen bei den Genehmigungsbehörden und hakt an den extrem strengen und unflexiblen Artenschutzvorgaben.

Ihre analytischen Fähigkeiten, ihre Kommunikationsstärke bei der Vermittlung von Fakten und ihr Durchsetzungsvermögen haben sich auch beim Landesverband Windenergie herumgesprochen. Im November letzten Jahres wurde sie zur Vorsitzenden gewählt. Und so macht sie im nebenberuflichen Ehrenamt weiter das, was sie an ihrem Beruf am meisten liebt: Überzeugungsarbeit für die Windenergie leisten. Bei Bürgerinnen und Bürgern, bei Behördenleitungen und bei der Politik. 
Dass es manchmal lange braucht, bis die Ergebnisse dieser Überzeugungsarbeit sichtbar werden, das schreckt Julia nicht ab. Schließlich geht es um die Energiewende. Und die ist eben größer als die Diskussion um einen Windpark vor der eigenen Haustür. Ihr größter Wunsch: „Ich würde mich freuen, wenn wir in zehn Jahren möglichst viele neu gebaute Windparks in Baden-Württemberg sehen würden und sich die Menschen freuen, wenn ein Windpark in ihrer Nachbarschaft entsteht und sie damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“ Ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, werden die kommenden Jahre zeigen. An Julias Engagement soll es nicht mangeln. 
Doch manchmal braucht auch die größte Überzeugungstäterin eine Auszeit. Dann schnappt sie sich ihr Mountainbike und radelt in die Natur. Wenn Gegenwind herrscht, nervt sie die Windenergie ausnahmsweise einmal. „Anderseits spüre ich dann, dass Wind eben pure Energie ist.“ Und so bleibt die Windenergie auch in ihrer Freizeit ihr ständiger Begleiter. 


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