08.02.2021 / Blog, Betriebsführung, Wind / Thomas Hoch

Winterdienst zum Windpark

Was jeder Hausbesitzer kennt, trifft auch die Betreiber von Windenergie-Anlagen – wenn es geschneit hat, muss geräumt werden. Die Verkehrssicherungspflicht gilt nämlich auch für die Eigentümer von Windparks.

Doch der Winterdienst ist inzwischen gar nicht mehr so leicht zu organisieren. „In diesem Winter beschäftigt uns der Schneeräumdienst zu den Windenergie-Anlagen mal wieder ganz besonders“, erklärt Yvonne Detering-Stein, die bei der juwi Operations & Maintenance für die Zusammenarbeit mit Subunternehmen zuständig ist. Als Betriebsführer kümmert sich das Unternehmen um den reibungslosen und sicheren Betrieb der Anlagen – und da gehören dann auch vermeintliche Nebensächlichkeiten wie der Winterdienst dazu. Warum dieses Thema aktuell eine besondere Bedeutung hat, sehen viele Menschen vor der eigenen Haustür.

Nachdem die zurückliegenden Winter eher schneearm waren, bescherten die vielen Niederschläge der vergangenen Wochen gerade den Mittelgebirgsstandorten von Windenergie-Anlagen regelmäßig Neuschnee. Da die Anlagenstandorte fast immer weit abseits von öffentlichen Straßen liegen, müssen dann oft kilometerlange Anfahrtswege mit den entsprechenden Spezialfahrzeugen geräumt werden. Verkehrssicherungspflicht lautet das Stichwort: Sowohl für geplante Wartungseinsätze als auch für Notfalleinsätze müssen die Anfahrtswege geräumt werden, sonst sind die Windparks für die Serviceteams schlicht nicht erreichbar.

Klimawandel als Herausforderung

Das Problem: An vielen Standorten ist es inzwischen allerdings gar nicht mehr so ohne weiteres möglich, den Räumdienst zu organisieren. Und das hat auch mit dem Klimawandel zu tun. Da die Winter immer unberechenbarer werden und der Schnee selbst in Mittelgebirgslagen häufiger ausbleibt, gibt es auch immer weniger ortsansässige Räumdienste, die über das entsprechende Know-how, den passenden Fuhrpark und die personelle Ausstattung verfügen, um einen solchen Service überhaupt anbieten zu können. Das hat Folgen: „Ohne kostenpflichtige Serviceabkommen mit Räumdiensten ist in manchen Regionen der Schneeräumdienst zu den Anlagen gar nicht mehr zu organisieren“, berichtet die juwi-Mitarbeiterin. Die Erklärung dafür: Weil die tatsächlichen Einsatzphasen für die Räumdienstanbieter immer weniger planbar sind, benötigen sie eine finanzielle Absicherung, um ihren teuren Fuhrpark und den Bereitschaftsdienst überhaupt zu finanzieren. Für Betreiber und Betriebsführungsunternehmen heißt das: Es kommt zu Mehrkosten, aber wer keine langfristigen Verträge mit lokalen Räumdiensten geschlossen hat, der schaut dann beim Wintereinbruch in die Röhre.

Dass es trotz abnehmender Schneefallneigung Sinn ergibt, Verträge mit Räumdiensten zu schließen, davon ist Yvonne Detering-Stein überzeugt: „Für den Betreiber sind diese Verträge eine Art Versicherung. Auch wenn die Ausfälle an Windenergie-Anlagen eher selten sind – falls es dann doch zu einer größeren Störung kommt und das Wartungsteam nicht zur Anlage kann, dann übersteigen die Ausfallkosten die Bereitstellungskosten für den Winterdienst um ein Vielfaches. Schließlich sind die Wintermonate traditionell besonders ertragsstark.“


Weitere Themen

BlogWind

Neuste Artikel

Windpark Ebenheim-Weingarten

mehr

Solarpark Köthen

mehr

Solarpark Waldpolenz

mehr