29.07.2021 / Blog, Natur / Katharina Wolf

Der Blick aus dem All auf den Klimawandel

Die angehende Astronautin und promovierte Meteorologin Dr. Insa Thiele-Eich war im Juni zu Gast bei juwi. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um mit ihr über Raumfahrt und Klimaschutz zu sprechen.

 Was ist ihre größte Motivation für das Projekt „Flug ins Weltall“?
Meine kindliche Faszination für das Universum und allen Fragen, die es beinhaltet hält bis heute an. Gleichzeitig bin ich sehr raumfahrtaffin aufgewachsen, mein Vater ist selbst Astronaut auf der Shuttle Mission STS-99 gewesen. Es war ein Privileg, so in der Raumfahrtfamilie groß zu werden, und hat sicher zu meinem Traum vom Flug ins All beigetragen. 
 
Sie sind angehende Astronautin und engagieren sich gleichzeitig für den Klimaschutz: Wie kann denn der Kampf gegen die Erderwärmung von der Raumfahrt profitieren? 
Satellitengestützte Erdbeobachtung ist unumgänglich um zum einen eine gute Datengrundlage für Wetterbeobachtung, aber auch unsere Modelle zu gewinnen. Bei der astronautischen Raumfahrt gibt es viele Projekte, die sich mit Ressourcenschonung und nachhaltigen Kreisläufen beschäftigen. Und mindestens genauso wichtig ist die Symbolkraft: Astronaut:innen rufen mit Bildern und ihren Berichten aus dem All ins Bewusstsein, dass das menschengemachte Problem uns alle grenzübergreifend betrifft. Speziell unsere Mission wird klimaneutral durchgeführt werden, das ist allerdings noch neu in der Raumfahrt.  
 
Als Meteorologin beschäftigen sie sich in ihrer Arbeit mit Wetter- und Klimaentwicklungen. Wie reagieren sie, wenn jemand den menschgemachten Klimawandeln anzweifelt?
Das kommt darauf an. Bei ehrlichen Fragen und offener Grundhaltung erkläre ich gerne die Fakten samt Quellen. Aber oft genug geht es gar nicht um Tatsachen - diese Unterhaltungen verlasse ich und investiere meine Energie lieber in andere Dinge. Ganz gut fasst es der folgende Tweet von Ruprecht Polenz zusammen: "Es ist unmöglich, jemanden durch Argumente von einer Überzeugung abzubringen, zu der er (oder sie) nicht durch Argumente gekommen ist.“
 
Können wir aus ihrer Sicht das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen?
Aus wissenschaftlicher Sicht ist das noch möglich. Aus meiner persönlichen Sicht ist es machbar, aber sehr schwierig. Immerhin kommt jetzt auf vielen Ebenen Bewegung in das Thema Klimaschutz- wenn auch viel zu spät. Wichtig wäre jetzt, dass gleichzeitig sozial verträgliche Klimaanpassung erfolgt, damit die Veränderungen, die uns auch 1,5 Grad bringen werden, nicht ungleich geschultert werden müssen. 
 
Und was müssen wir dafür konkret tun? 
Meiner Meinung nach müssen wir dafür sorgen, dass politisch auf allen Ebenen die richtigen Weichen gestellt werden. Sicher geht da einiges über Anreize, aber ohne klare Richtungsvorgaben und damit einhergehenden Verboten wird es auch nicht gehen. Und ja, das wird nicht günstig - einfach nichts zu tun wird aber noch teurer, und ich denke auch mit allen Folgen sehr viel einschneidender für uns alle.
 


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