06.03.2020 / OM Praxisnews

Warten auf die Trendwende

Überzeichnete Solar-Ausschreibungen, unterzeichnete Ausschreibungen bei Wind onshore – so sah es 2019 aus. Wir wagen einen Ausblick.

Als die Bundesnetzagentur kurz vor Weihnachten die Ergebnisse der Wind onshore Ausschreibung veröffentlichte, konnte sie erstmals für 2019 eine Überzeichnung bekannt geben. Doch so ganz geheuer war auch der Behörde in Bonn das Ergebnis nicht. Der Kommentar fiel jedenfalls eher zurückhaltend aus: „Ob sich daraus eine Trendwende ableiten lässt, muss sich noch zeigen.“

Reinhard Neitzel beschäftigt sich bei juwi sehr intensiv mit der Ausschreibungswelt, er wird noch deutlicher: „Solche Ausreißer wie in der Dezember-Ausschreibungsrunde kann es natürlich auch 2020 geben. Die Genehmigungssituation im Windbereich aber bleibt angespannt, wir rechnen auch für das laufende Jahr nicht mit einer gravierenden Veränderung.“ Das heißt im Klartext: Die Trendwende 2020 fällt aus. Es ist gut möglich, dass von dem Gesamtvolumen von 4,1 Gigawatt, das im Bereich Wind Onshore zur Ausschreibung steht, wieder ein erheblicher Teil ungenutzt bleibt. Im Marktstammdatenregister deutet Ende Januar jedenfalls nichts darauf hin, dass es kurzfristig wieder deutlich mehr Genehmigungen geben wird. Woher auch? Die Ursachen für die Misere sind noch nicht beseitigt. Genehmigungsverfahren ziehen sich in die Länge, Bürgerinitiativen nutzen immer häufiger natur- und artenschutzrechtliche Themen, um Projekte zu blockieren.

Dass der Genehmigungsstau im krassen Gegensatz zu den mittel- und langfristigen Ausbauzielen steht, ist eigentlich allen bewusst. Mit dem Kohleausstiegsgesetz ist die Notwendigkeit für einen beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren manifestiert. Für Wind onshore bedeutet dies einen dauerhaften Ausbaupfad von mindestens drei Gigawatt netto – also nach Abzug der jährlich stillgelegten Anlagen. „Mit der EEG-Novelle müssen dafür die Weichen gestellt werden. Die Klimaziele lassen sich nur erreichen, wenn wir substantielle Verbesserungen für den Ausbau der Windenergie an Land erzielen können“, sagt Michael Herr, Leiter Public Affairs bei juwi.

Einen großen Schritt weiter scheint inzwischen die Solarenergie zu sein – auch weil die Systemkosten weiter gesunken sind. Von Unterzeichnung kann bei Solarausschreibungen jedenfalls keine Rede sein. Neben bekannten Akteuren kommen neue – zum Teil aus dem Windbereich – hinzu. „Spannend wird sein, ob sich die steigenden Gebotsmengen auch in sinkenden Gebotshöhen niederschlagen werden. Das war bislang noch nicht der Fall“, sagt Neitzel. Insgesamt kann 2020 in reinen Solarausschreibungen auf 1.800 Megawatt geboten werden, weitere 400 Megawatt kommen aus der technologieoffenen Ausschreibung hinzu. Eines scheint klar: Es ist mit erheblichen Überzeichnungen zu rechnen.

 

325 Windenergie-Anlagen und damit 1.078 Megawatt Leistung wurden im Jahr 2019 in Deutschland Onshore neu gebaut. Da gleichzeitig noch 82 Altanlagen stillgelegt wurden, lag der Nettozubau gerade einmal bei 981 Megawatt – so niedrig wie seit 1998 nicht mehr. Im Jahr 2017 hatte die Branche mit eine Bruttozubau von 5.333 Megawatt noch einen Rekordwert vermelden können.


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