01.03.2017 / Blog

Was Verpächter wissen sollten

Joachim Papp ist für juwi zwischen Tuttlingen und Tauberbischofsheim unterwegs. Er spricht mit Flächeneigentümern, Waldbesitzern und Gemeinden über Pachtverträge. Wir haben ihn zum neuen Ausschreibungssystem für Windenergieprojekte gefragt.

Was ändert sich für einen Flächeneigentümer durch die Umstellung auf Ausschreibungen?

Kurz gesagt: Die Umsetzungswahrscheinlichkeit für ein Projekt wird geringer und der Kostendruck nimmt zu. Jeder, der etwas anderes sagt, spielt nicht mit offenen Karten. Bislang war die behördliche Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutz-Gesetz die entscheidende Hürde, jetzt muss sich das Projekt zusätzlich in der Ausschreibung durchsetzen. Das verschärft den Wettbewerb – umso wichtiger ist es auch für Flächeneigentümer auf den richtigen Partner zu setzen.

Wie funktioniert das Ausschreibungsverfahren? Die Bundesnetzagentur schreibt dreimal pro Jahr eine Zubaumenge für Windenergie auf dem Land aus – insgesamt 2.800 Megawatt pro Jahr. Im Mai findet nun die erste Ausschreibungsrunde statt. Jeder Projekteigentümer kann sich bewerben, wenn er eine gültige Genehmigung hat. Man gibt ein Gebot für die Einspeisevergütung ab und je niedriger der Preis pro Kilowattstunde ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man einen Zuschlag bekommt. Um dafür zu sorgen, dass auch windschwächere Standorte mit windstärkeren Standorten konkurrieren können, gibt es einen Korrekturfaktor, der bundesweit für annähernd gleiche Wettbewerbsbedingungen sorgt.

Was Flächeneigentümer wissen sollten: Durch das Ausschreibungsverfahren verlängert sich die Phase zwischen dem Abschluss eines Pachtvertrags und dem Bau der Anlagen, mit dem der Pachtvertrag auch zur Anwendung kommt – sofern das Projekt überhaupt einen Zuschlag erhält. Es gilt allerdings auch: War man in einer Ausschreibungsrunde nicht erfolgreich, so kann man sich in einer späteren Runde noch einmal mit dem Projekt bewerben. So oder so: Hier ist eine Kombination aus Durchhaltevermögen, Marktkenntnis und langjähriger Projekterfahrung gefragt.

Damit sich ein Flächeneigentümer nicht ewig und drei Tage  an einen Projektentwickler binden muss, gibt es in unseren Pachtverträgen Ausstiegsklauseln für den Fall, dass ein Projekt innerhalb einer bestimmten Frist nicht realisiert wurde. Das sollte in jedem guten Pachtvertrag so sein, denn so haben die Verpächter dann auch die Möglichkeit, sich einen neuen Partner zu suchen, wenn sie merken, dass es beim Projekt einfach nicht voran geht. Es kommt schon regelmäßiger vor, dass wir auf Wunsch der Flächeneigentümer einspringen, weil es mit dem ursprünglichen Entwickler nicht geklappt hat.

Der zweite wichtige Aspekt für Flächeneigentümer: Die Gesamtkosten eines Projekts sind im Ausschreibungssystem ganz entscheidend. Das betrifft natürlich alle Bausteine, den Preis der Anlagen aber eben auch die Höhe der Pachten. Das Mindestentgelt für Flächeneigentümer wird je nach Zuschlagshöhe sicherlich variieren. Uns ist es wichtig, von Anfang an realistische und transparente Pachtangebote zu machen, die verschiedene Marktentwicklungen aufzeigen. Insgesamt wird es auch in Zukunft sehr attraktiv bleiben, Flächen für Windenergieanlagen zu verpachten, davon bin ich überzeugt.


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