10.12.2018 / Wind, Solar, Unternehmen, Presse

„Der Aufwand lohnt sich“

Mit umfangreichen Markteinschätzungen bereitet juwi sich individuell auf jede Ausschreibungsrunde vor. Mit Erfolg: In jeder Runde gewann juwi Zuschläge: Über 130MW bei den Wind- und rund 100MW in den Solarausschreibungen.

Meinrad Wagenschwanz ist seit Februar 2018 Geschäftsbereichsleiter Erneuerbare Energien Deutschland bei juwi. Der 54-jährige Diplom-Ingenieur wechselte vom Technologiekonzern Siemens zum Wörrstädter Projektentwickler für Wind- und Solarparks. Bei der Siemens AG in Erlangen war er zuletzt für das Geschäftsfeld Energy Management tätig. Davor war er für Siemens unter anderem in Großbritannien, der Schweiz und Kanada aktiv.

Wir sprachen mit dem Leiter des Geschäftsbereichs „Erneuerbare Energien Deutschland“, Meinrad Wagenschwanz, über die Gründe für diesen Erfolg, und wie juwi den Wandel vom alten zum neuen EEG gemeistert hat.

Herr Wagenschwanz, juwi hat in diesem Jahr in den Ausschreibungen für Windenergie Onshore 15 Zuschläge mit einer Gesamtleistung von über 130 Megawatt gewonnen. Was waren die Highlights?

Meinrad Wagenschwanz:
Zu den Highlights zähle ich auf jeden Fall zwei größere Projekte in Brandenburg, bzw. Hessen sowie auch zwei Zuschläge im Saarland. Diese sind etwas Besonderes: Immerhin gelang es uns als erstem Unternehmen, im Saarland erfolgreich im Ausschreibungssystem zu sein. Letztlich freuen wir uns natürlich über alle Zuschläge und insbesondere über die Tatsache, einer der erfolgreichsten Projektentwickler Deutschlands bei den Ausschreibungsrunden des Jahres 2018 gewesen zu sein.

Wie kommt es, dass juwi bundesweit so erfolgreich ist? Die Umstellung vom garantierten Netzzugang mit festem Einspeisetarif zum Ausschreibungssystem war sicher nicht ohne.

Wagenschwanz:
Das ist richtig. Schon Anfang 2015 haben wir an der Pilotausschreibung PV teilgenommen, um dort erste Erfahrungen mit dem neuen System zu sammeln. Wir haben uns dann frühzeitig mit unserem Mutterkonzern, der MVV Energie AG, und unserer Schwester Windwärts zusammengesetzt und überlegt, wie wir unser Knowhow bei den erneuerbaren Energien mit der energiewirtschaftlichen Expertise eines klassischen Energieversorgers erfolgreich zusammenbringen können. Schließlich verfügt die MVV über ein umfangreiches Wissen zur Einschätzung der Energiemärkte und viel Erfahrung in Ausschreibungssystemen, zum Beispiel für Regelenergie. Gemeinsam mit der MVV und Windwärts sowie dank unserer tiefgehenden Marktkenntnisse sind wir daher in der Lage, den Markt vor jeder Ausschreibungsrunde aufs Neue sehr detailliert einzuschätzen.

Wie muss man sich das vorstellen? Wo kommen die Daten für die Markteinschätzung her? Wie aufwändig ist das?

Wagenschwanz:
Wir haben eine umfangreiche Datenbank aufgebaut, in der neben den Daten aus dem Anlagenregister der Bundesnetzagentur auch viele Datensätze zu laufenden Genehmigungsverfahren enthalten sind. Basierend darauf arbeiten wir mit detaillierten Ertragssimulationen, die unter anderem Zuschlagswahrscheinlichkeiten für bestimmte Gebotshöhen und mehrere Folgerunden berechnen. Dabei berücksichtigen wir auch psychologische Komponenten: Bietet wirklich jeder mit, der dazu berechtigt ist? In welcher Runde? Zu welchem Preis? All das lassen wir auf mehreren Rechnern simulieren und bewerten dann die Ergebnisse in einem Expertenkreis, unserem sogenannten „Gebotsgremium“. Bei den letzten Wind-Ausschreibungsrunden lag wegen der im Vorfeld absehbar geringen Menge an Gebotsberechtigten natürlich der Focus der Recherche auf der Frage: Wie viele werden überhaupt bieten?

Lohnt sich dieser Aufwand? Ähnelt das Ganze nicht ein bisschen dem unsicheren Blick in die Kristallkugel?

Wagenschwanz:
Das mag einem auf den ersten Blick so erscheinen. Aber unsere bisherigen Erfolge bei den Aus-schreibungen geben uns Recht: Immerhin lagen wir bei den Wind-Ausschreibungen mit 14 von 15 Zuschlägen über dem Durchschnittswert der jeweiligen Runde. Wenn man das in Euro umrechnet, so sprechen wir über mehrere Millionen Euro, die wir durch unsere weitgehend richtige Markteinschätzung für uns und unsere Kooperationspartner generieren konnten. Es geht uns also nicht alleine darum, irgendwie einen Zuschlag zu bekommen, sondern vor allem darum, das optimale Gebot in der für uns optimalen Ausschreibungsrunde abzugeben.

Das heißt, Sie schauen sich nicht nur die aktuelle Ausschreibungsrunde, sondern auch die nach-folgenden Runden an?

Wagenschwanz:
Richtig. Mit Hilfe unserer Datenbank schätzen wir auch ab, wie viele neue Genehmigungen bis zu den nächsten Ausschreibungsrunden voraussichtlich erteilt werden und wie stark der Wettbewerb in den Folgerunden voraussichtlich sein wird. Wir schätzen aber immer auch die Marktpsychologie ein. Bieten die Wettbewerber in dieser Runde oder warten sie auf eine der Folgerunden? Welche politischen Veränderungen können kurzfristig eintreten? Wir wirken sich diese auf die Ausschreibungsrunden aus? Wir haben die Voraussetzungen geschaffen, um auf mögliche kurzfristige Veränderungen schnell reagieren zu können. Deshalb bin ich überzeugt davon, dass wir auch für kleinere regionale Projektentwickler der richtige Partner sind, wenn es darum geht, gemeinsam ein Projekt optimal in der neuen Ausschreibungswelt zu platzieren.

„Die Kommunen beteiligen und den Süden stärken“
2019 erwartet juwi von der Branche und der Politik neue Impulse für mehr Genehmigungen


Im kommenden Jahr gibt es nicht nur höhere Ausschreibungsmengen, sondern auch technologie-übergreifende Innovationsausschreibungen – und das vor dem Hintergrund einer angespannten Genehmigungssituation für Windenergie-Projekte. Wir sprachen mit dem Leiter des Geschäftsbereichs „Erneuerbare Energien Deutschland“, Meinrad Wagenschwanz, über die Aussichten für 2019.

Herr Wagenschwanz, was erwarten Sie für das kommende Jahr?

Wagenschwanz:
Das kommende Jahr wird in mehrfacher Hinsicht spannend. Schließlich soll es ja dann die ersten, seit langem angekündigten Sonderausschreibungsmengen geben. Außerdem sollen zusätzlich auch technologieübergreifende Innovationsausschreibungen kommen. Da wir uns sowohl im Wind- als auch im Solarmarkt gut auskennen, hatten wir in diesem Jahr richtig analysiert, dass die gemeinsamen Ausschreibungen in diesem Jahr besonders attraktive Zuschlagsniveaus für PV-Projekte bieten würden. Deshalb werden wir auch die Vorgaben für die Innovationsausschreibung genau analysieren, um für unsere Wind- und PV-Projekte möglichst attraktive Zuschläge zu generieren.

Die Frage bleibt aber, wie vor allem die Windenergie-Branche wieder zu mehr genehmigten Projekten kommen kann.

Wagenschwanz:
Da erwarte ich neue Impulse der Branche und vor allem auch der Politik. Wir müssen beispielsweise gemeinsam etwas für die Akzeptanz tun. Die Bundespolitik sollte sich ebenso wie die lokale Politik noch mehr als bisher zum Klimaschutz bekennen und hinter den Ausbau der Windenergie stellen. Immerhin zeigen ja auch nahezu alle Umfragen, dass die Bevölkerung mit großer Mehrheit für mehr erneuerbare Energien ist. Dazu würde auch gehören, dass vor allem dort, wo bislang wenig passiert ist, einvernehmlich mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort neue Windvorranggebiete ausgewiesen werden.

Wie lässt sich denn sicherstellen, dass in diesen Gebieten dann auch wirklich Windenergie-Projekte geplant werden?

Wagenschwanz:
Natürlich müssen diese Windvorranggebiete dann auch wirtschaftlich auch so attraktiv sein bzw. gemacht werden, dass es zu einer tatsächlichen Nutzung kommt. Aufgrund der derzeitigen Differenzierungsgrenze von 70% im so genannten Referenzertragsmodell gibt es derzeit viele ausgewiesene Flächen im Norden wie im Süden, die nicht entwickelt werden, da ihre Windhöffigkeit unter den erwähnten 70% liegt. Hier diskutieren wir seit Jahren mit der Politik, diese Grenze auf 60% abzusenken, um für die Energiewende dringend erforderliche Flächenpotenziale zu heben. Kostenseitig ist die Windenergie inzwischen so effizient, dass nur geringe Auswirkungen auf die Förderkosten zu erwarten sind. Demgegenüber steht aber ein großer Effekt zusätzlicher Projektpotenziale.

Und wie ließe sich garantieren, dass auch die Kommunen finanziell tatsächlich etwas von den Windenergie-Projekten in ihren Gemeinden haben?

Wagenschwanz:
Die im Koalitionsvertrag festgehaltene kommunale Beteiligung sollte sehr zeitnah umgesetzt und auf eine rechtlich sichere Basis gestellt werden. Wichtig ist, dass sich tatsächlich ein positiver Effekt einstellt. Unserer Einschätzung nach kann dies über eine jährliche Abgabe in einer Größenordnung von drei Prozent der Stromerlöse im Projekt erfolgen. Mit diesen Einnahmen können kommunale Strukturen unterstützt, erhalten und ausgebaut werden. Das fördert schlagartig die Akzeptanz und die Lokal- und Regionalpolitiker haben ein gutes Argument mehr für die Windenergie an der Hand.

Reicht denn die finanzielle Beteiligung der Kommunen aus, um mehr Akzeptanz zu erreichen?


Wagenschwanz:
Sie ist ein wichtiger Baustein. Selbstverständlich müssen wir darüber hinaus kontinuierlich viele Themen im Bereich des Natur- und Artenschutzes bearbeiten und wissenschaftlich belegbare Fakten liefern. In den vor Ort oft emotional geführten Diskussionen hören wir leider sehr oft wirklich Unsinniges und viele Argumente gegen die Windkraft sind im Grunde genommen „Fake News“. Die Plattform der Fachagentur Windenergie an Land (FAW) arbeitet zusammen mit dem Wirt-schaftsministerium und der Branche intensiv an Lösungen. Diese Arbeit wird uns für die Dauer der Energiewende begleiten. Da heißt es, am Ball zu bleiben und in einer Sisyphusarbeit Thema für Thema abzuarbeiten und zu kommunizieren.

Würde nicht auch eine gerechtere Verteilung der Windenergie-Projekte zwischen Nordsee und Alpenrand für mehr Akzeptanz sorgen?


Wagenschwanz:
Auch das wäre ein wichtiger Baustein in der ganzen Akzeptanz-Diskussion. Denn natürlich würden die aktuellen Konzentrationszonen im Norden und Osten Deutschlands durch mehr Zubau im Süden entlastet. Eine regionale Steuerung des Ausbaus und eine Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen für Projekte südlich der sogenannten Main-Linie wäre dafür zielführend. Wir müssen es schaffen, die regionale Verteilung des Windenergieausbaus mehr in den Süden zu verlagern. Hier können die Netze in vielen Regionen noch reichlich Windstrom aufnehmen – und damit würden wir die Stromnetze auch ein Stück weit entlasten und dadurch Kosten für Stromnetzausbau und Eingriffe in die Übertragungsnetze („Redispatch“) künftig einsparen. Als Instrument könnte der Gesetzgeber beispielsweise eine Preis- („Bonusmodell“) oder Mengensteuerung („Quote“) einführen. Die Diskussionen laufen derzeit und wir hoffen, dass die Regierung auch hier ihre Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag zeitnah umsetzt.



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