12.11.2020 / Solar, Unternehmen, Presse

“Mehr Strom zu geringeren Kosten auf weniger Fläche.”

Im Doppelinterview sprechen Takis Sarris, Geschäftsführer von juwi Griechenland, und Amiram Roth-Deblon, Leiter Globale Geschäftsinitiativen der juwi-Gruppe, über die Komponentenauswahl für das größte bifaziale Solarprojekt Europas – den Solarpark Kozani.

Herr Sarris, was sind die Projektherausforderungen in Hinblick auf die Vor-Ort-Bedingungen und die klimatischen Verhältnisse in Griechenland?

Das Projekt ist aufgrund seiner Größe und des hügeligen Geländes mit zum Teil steilen Neigungen eine Herausforderung. Die Dimensionen sind riesig, der Solarpark wird auf einer Fläche von 450 Hektar gebaut, das entspricht 840 Fußballfeldern. Auch die Bodenbeschaffenheit erfordert eine besondere Vorgehensweise: Der Untergrund ist felsig, daher sind Bohrungen für die Gründung der Gestelle erforderlich. Mit unserem Parklayout und den günstigen Klimabedingungen für Photovoltaik in Griechenland erwarten wir jedoch ein sehr gutes Ergebnis.

Herr Sarris, für welche Komponenten – also Module, Wechselrichter und Gestellkonstruktion – haben Sie sich entschieden, und was sind die Gründe für Ihre Entscheidung? Wurde auch über ein nachgeführtes Gestellsystem, bei dem sich die Ausrichtung der Module dem Sonnenstand anpasst, nachgedacht?

Wir haben bifaziale Module von Jinko Solar und Zentralwechselrichter von Sungrow ausgewählt. In Kürze werden wir auch noch den Lieferanten für das Gestellsystem benennen. Bei der Auswahl haben wir durchaus auch nachführende Gesellsysteme in Betracht gezogen. In Anbetracht der Geländetopografie haben wir uns dann aber für ein Gestellsystem mit fester Neigung entschieden.

Herr Roth-Deblon, was sind denn die grundsätzlichen Vorteile von bifazialen Modulen?

Mit bifazialen PV-Modulen lässt sich die Sonnenenergie von vorne und hinten nutzen. Dies macht die Module effizienter und bedeute im Endeffekt, dass wir auf derselben Fläche mehr Strom ernten können. Das Konzept ist nicht neu, aber die Technologie wurde in letzter Zeit so weiterentwickelt, dass sie nicht nur effizienter, sondern auch kostengünstiger im Vergleich zu herkömmlichen PV-Modulen ist. Tatsächlich gibt es mehr reflektiertes und diffuses Licht, als man gemein hin annimmt. Dadurch können bifaziale Module zum Teil mehr als zehn Prozent an zusätzlichem Strom erzeugen. Der genaue Wert hängt vom Reflexionsvermögen des Bodens ab, das als Albedo bezeichnet wird, von der Bewölkung des Himmels und natürlich vom Design des PV-Kraftwerks. In Kozani wird der bifaziale Gewinn, also der zusätzlich Stromertrag durch diese Art von Modulen, voraussichtlich zwischen vier und fünf Prozent liegen.

Herr Roth-Deblon, welche weiteren Fortschritte sind von der Solarindustrie mit Blick auf Kosten und Effizienz noch zu erwarten?

Bei keiner anderen Form der Stromerzeugung sind die Kosten so stark gesunken wie bei der Photovoltaik. Zwischen 2010 und 2019 haben sich die Kosten um mehr als 79 Prozent reduziert – und sie sinken weiter. Sowohl die Internationale Agentur für erneuerbare Energien IRENA als auch die Internationale Energieagentur IEA bestätigen, dass PV bereits jetzt zur billigsten Stromquelle geworden ist. Die Technologie mit bifazialen Modulen verstärkt noch einmal diese Entwicklung: Mehr Strom zu geringeren Kosten auf weniger Fläche. Zudem eröffnen sich damit auch neue Anwendungsfälle. Es wird beispielsweise möglich sein, Module vertikal zu installieren und so die gleiche Strommenge zu erzeugen wie bei nach Süden ausgerichteten Modulen in Mittel- und Nordeuropa. PV-Module könnten auch als Einzäunung genutzt werden, um eine kombinierte Flächennutzung mit Landwirtschaft und Stromerzeugung zu ermöglichen.
Tatsächlich hat sich das Tempo der Technologieentwicklung bei der Photovoltaik nicht verlangsamt, sondern sogar beschleunigt. Bifaziale Module sind dafür ein gutes Beispiel. Aber auch höhere Zell- und Modulwirkungsgrade, größere Module und der zunehmende Einsatz von Trackern zur Erzeugung zusätzlicher Energie sind Beispiele für die laufenden spannenden Entwicklungen im Solarbereich.
 


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