06.03.2020 / OM Praxisnews

Die Alternative zu Reservekonten

Betreiber von Wind- und Solarparks müssen häufig Millionenbeträge auf Reservekonten vorhalten – und zahlen inzwischen dafür manchmal sogar Negativzinsen. Die Deutsche Kreditbank bietet dazu jetzt eine Alternative.

Frau Heidrich, welche Rolle spielen Reservekonten in der kaufmännischen Betriebsführung von Wind- und Solarparks?
Stefanie Heidrich: Wir betreuen bei juwi etwa 130 Betreibergesellschaften in der Kaufmännischen Betriebsführung, die meisten davon sind anteilig mit Fremdkapital finanziert. Jede Bank möchte die Sicherheit haben, dass Liquiditätsengpässe nicht direkt zu Zahlungsausfällen führen. Dafür gibt es Reservekonten.

Für welche Zwecke müssen Betreiber solche Reservekonten halten?
Heidrich: Die zwei häufigsten Reservekonten sind die für den Kapitaldienst und die für Wartung und Instandhaltung. Über das Kapitaldienstreservekonto sichern die Banken die Zins- und Tilgungszahlungen ab. Mit einem Wartungs- und Instandhaltungskonto wird sichergestellt, dass für notwendige Reparaturarbeiten auch Liquidität da ist. Was hinzukommt: Häufig müssen zusätzlich auch Reservekonten für den Rückbau der Anlagen angelegt und im Laufe der Betriebsjahre bestückt werden.

Über welche Summen sprechen wir denn da?
Heidrich: Es geht hier häufig um Millionenbeträge. Eine gängige Form der Reservekonten sind die, bei denen der Kapitaldienst des Folgejahres als Grundlage genommen wird und 50 Prozent vorab hinterlegt werden müssen. Es gibt auch Varianten, bei denen ein Festbetrag definiert wird, der häufig mit zunehmender Betriebsdauer steigt.

Und das Geld liegt – salopp formuliert – dann einfach so herum?
Heidrich: Genau. Früher gab es dafür noch eine niedrige Verzinsung, heute gibt es Banken, bei denen dafür sogar Negativzinsen fällig werden.

Gilt das auch für die Deutsche Kreditbank AG, die DKB, Frau Faulhaber?
Katrin Faulhaber: Nein, wir belegen die Reservekonten, die wir von unseren Geschäftspartnern verlangen, derzeit nicht mit Negativzinsen.

An der Situation wollten sie aber trotzdem etwas ändern. Was ist der Hintergrund?
Faulhaber: Jede Bank möchte sicherstellen, dass sie sicher und stabil den Schuldendienst bedient bekommt – auch wir. Alternativ zur klassischen Reserveansparung bieten wir unseren Kunden eine Kreditlinie (Fazilität) an.

Wie funktioniert diese?
Faulhaber: Die Kunden erhalten eine Kreditlinie für die Bereitstellungszinsen ab Inbetriebnahme und ein Kontokorrentzins bei Inanspruchnahme, im Falle von windschwankungsbedingten Liquiditätsengpässen, zu zahlen ist.

Kann bei jedem Projekt eine Fazilität gewählt werden?
Faulhaber: Grundsätzlich ja. Es hängt allerdings von der Projektgüte und dem Anteil der Fremdfinanzierung ab, ob dies die sinnvollere Lösung ist. Hier gilt die Faustformel: Je höher der Anteil der Fremdfinanzierung, desto eher ist das klassische Reservekonto oder eine Kombination der beiden Varianten zu bevorzugen. Dieses bieten wir ja auch weiterhin an.

Und was passiert, wenn die Zinsen in naher oder ferner Zukunft dann doch wieder steigen. Wird es das neue Angebot dann weiterhin geben?

Faulhaber: Mit der Bereitstellung der Fazilität haben wir uns den Markterfordernissen angepasst. Wir bieten das Produkt nun seit eineinhalb Jahren unseren Kunden an und haben bereits eine Reihe von Projekten damit umgesetzt. Ob eine Reserve angespart oder eine Kreditlinie zur Absicherung des Kapitaldienstes im Falle von Windschwankungen abgeschlossen wird, bestimmt letztlich der Kunde mit seinem jeweiligen Windprojekt. Wir werden auch zukünftig – unabhängig von der Zinsphase – eine Fazilität anbieten.

Was müssen Betreiber denn konkret tun, wenn sie ihre Reservekonten umstellen möchten, Frau Faulhaber, Frau Heidrich?
Faulhaber: Bei Neuprojekten bieten wir es automatisch mit an. Und Betreiber von laufenden Anlagen können bei Interesse einfach auf uns zukommen.
Heidrich: Und den Betreibern, bei denen wir der Hauptkontakt zu den Banken sind, vermitteln wir gerne den Kontakt.  

Zu den Personen:

Katrin Faulhaber ist seit 2010 bei der Deutschen Kreditbank AG und leitet aktuell das Team Umwelttechnik Südwest. Die Diplom-Betriebswirtin arbeitet seit rund 15 Jahren in der Finanzbranche und hat sich auf den Bereich erneuerbare Energien spezialisiert.

Stefanie Heidrich leitet bei der juwi Operations & Maintenance GmbH das Team Commercial Relationship Management. Die gelernte Industriekauffrau und Betriebsfachwirtin arbeitet seit 2013 für die juwi-Gruppe.


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