
Am Puls der Branche: Die 33. Windenergietage in Potsdam

4.400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – so viele hatten noch nie den Weg zu den jährlichen Windenergietagen gefunden. In diesem November war Potsdam das Ziel der Windbranche. Drei Tage voller Vorträge, Netzwerken und – ja, auch feiern – sorgten dafür, dass die doch deutlich gewachsene und auch vielfältigere Teilnehmerschaft ein familiäres Gefühl entwickeln konnte.
Wichtige politische Fragen sind noch offen
Zwar brummen vielerorts die Geschäfte, aber die Aussichten trüben sich ein. Was die Bundesregierung aus Union und SPD mit einem neuen EEG plant? Offen! Wie sich die weltweiten Lieferketten für wichtige Komponenten oder Seltene Erden entwickeln? Ebenfalls offen! Dazu schlich sich bei dem einen oder anderen Teilnehmenden das Gefühl ein, vielleicht trotz aller Anstrengungen noch nicht genug erreicht zu haben.

Umso wichtiger sind der fachliche Austausch und die Konzentration auf Themen, die steuerbar sind. Und so widmeten sich, ganz in der Tradition der Windenergietage, in den Foren viele Vortragende und Diskussionsrunden den Themen, die gerade besonders brennen: Wie komme ich an einen Netzzugang? Welche Auswirkungen hat Künstliche Intelligenz auf mein Geschäftsmodell? Und – immer beliebt – welche Genehmigungshürden machen uns Projektentwicklern gerade das Leben besonders schwer?

JUWI-Forum mit Schwerpunkt Militär und Batteriespeicher
Wie groß hier die Not ist, zeigte der Andrang im JUWI-Forum zu den Themen Militär und Windenergie. Astrid Storck, Jan Klingner (beide JUWI) und Alexander Rabuske (Qualitas Energy) zeigten eindrücklich, wie massiv die Auswirkungen der Beschränkungen sein können und wie komplex sich Verhandlungen mit der Bundeswehr gestalten. Ein wichtiger Grund, warum JUWI und Qualitas ihre Expertise an diesem Punkt nicht nur bündeln, sondern auch in die Branche und die Politik tragen.
Ebenso riesig war das Interesse am Thema Batteriespeicher (BESS): Wie startet man ein BESS-Projekt? Welche Hürden gibt es zu bewältigen und wie kann ich am Ende auch Geld verdienen? Die Gesprächsrunde zu diesem Thema mit Vivien Klein-Campailla (MVV Trading), Leon Jacob und Felix Beyer (beide AXSOL) sowie Thorsten Trentzsch (JUWI) lieferte ganz konkrete Einblicke in die Projektpraxis von der Planung bis hin zur Stromvermarktung.
Neue Themen, neue Teilnehmende
Immer größer werden die Windenergietage auch, weil neue Branchen und Stakeholder mit der Windenergie in Berührung kommen. Waren früher die Projektentwickler weitestgehend unter sich, kamen im Laufe der Zeit Energieversorger, Versicherungen und Direktvermarkter hinzu. Eine vergleichsweise neue und wachsende Gruppe sind Anbieter von speziellen Software-Lösungen zur Digitalisierung der Energiewende. Dass dahinter mehr steckt, als seinen Genehmigungsantrag als PDF einzureichen, wurde in diesem Jahr besonders deutlich, indem KI zwar schon vielen bekannt, aber den meisten doch noch unvertraut ist.

Auf Glück, Geschicklichkeit und gesunden Menschenverstand kam es hingegen beim Abendprogramm an: Von Casino über Wind-Speed-Race bis hin zu Drohnenspiel und Schnellzeichner waren alle und alles dabei. Und so zeigte sich wieder: Auch wenn sich die politische Situation ändert, die alten Probleme im neuen Gewand auftauchen oder sich ganz unbekannte Herausforderungen stellen – die Windenergietage bleiben, was sie immer waren: eine bunte, manchmal ein bisschen chaotische Mischung aus Kongress, Expertenrunde, Messe und „Familientreffen“.